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| "Silja Korn, blind durch's Leben" |
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Eine Frau geht ihren Weg. |
Mit 17 Jahren verlor Silja ihr Augenlicht - und nichts war mehr wie früher. Wie die junge Frau heute ihren Alltag mit Mann, Sohn und Beruf meistert, erählt sie hier. Ein Unfall veränderte Silja Korns Leben. Nicht von heute auf morgen. Sondern schleichend und unwiderruflich. "Innerhalb eines Jahres war ich fast blind", erzählt Silja. Als zwölfjährige wurde sie von einem Auto angefahren. Dabei erlitt sie eine schwere Gehirnerschütterung - und innere Augenverletzungen. "Aber letzteres haben die Ärzte nicht erkannt", so die Berlinerin. Erst ein Jahr später wurden ihre Augen operiert. Zu spät! Siljas Augenlicht war nicht mehr zu retten. Innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre verlor sie auch noch die letzten fünf Prozent Sehkraft.
"Ich habe viel geweint und hatte wahnsinnige Angst davor, von anderen Menschen abhängig zu werden", erinnert sich Silja. Sie konnte und wollte sich mit der neuen Situation nicht abfinden. "Anfangs habe ich mich zum Beispiel einfach gesträubt, die Blindenschrift zu lernen." Denn da war immer die Hoffnung in ihr: "Vielleicht kann ich eines Tages doch wieder sehen." Trotz ihrer inneren Abwehr tastete sie sich langsam an ihr neues Leben heran.
Ein Aha-Erlebnis war das Mobilitätstraining in der Blindenschule. Dort lernte die damals 15-Jährige, sich mit Hilfe des langen, weißen Blindenstocks sicher fortzubewegen, Geräusche im Verkehr zu unterscheiden und alleine Bus und U-Bahn zu fahren. "Es war ein tolles Gefühl, richtig befreiend." Die neue Freiheit, die sie sich Schritt für Schritt eroberte, machte Silja Mut, gab ihr Selbstbewusstsein. Das brauchte sie auch, um später ihren Traumberuf Erzieherin zu verwirklichen. Das war nicht einfach. Denn: "Eine blinde Erzieherin hatte es bis dahin noch nicht gegeben", sagt Silja. Nach langem Suchen fand sie schließlich einen Ausbildungsplatz.
Heute arbeitet Silja halbtags in einer Kindertagesstätte. Wer sie hier besucht, merkt sofort: Ihre Welt ist kunterbunt. Die Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren sorgen für jede Menge Trubel. "Da es hauptsächlich ausländische Kinder sind, ist es manchmal schwer, sie an ihrer Stimme zu erkennen. Deshalb muss mir jedes Kind seinen Namen sagen und mir die Hand geben, wenn es kommt." Eine große Hilfe ist Silja auch ihr ausgeprägter Geruchssinn. Damit kann sie die Kinder unterscheiden. Wie jede andere Erzieherin liest sie den Jungen und Mädchen Geschichten vor, spielt mir ihnen. "Die Kartenspiele haben zum Beispiel fühlbare Punkte, damit ich die einzelnen Karten erkennen kann." Solche Orientierungspunkte gibt es auch in Siljas Wohnung, und zwar an den Herdknöpfen. "So weiß ich, wie hoch ich das Gas eingestellt habe", sagt Silja. Den Tipp bekam sie von Michaela Franke. Die Reha-Lehrerin für lebenspraktische Fertigkeiten zeigt stark sehbehinderten und blinden Menschen, wie sie mit simplen Tricks im Haushalt allein zurechtkommen können.
Auf die Idee, sich Hilfe zu holen kam Silja, weil sie Angst vor Feuer hatte und deshalb nicht gerne auf dem Gasherd kochte. Und auch beim Bügeln lief nicht immer alles reibungslos. "Dabei ist es gar nicht schwer. Man muss einfach nur eine Naht als Orientierungshilfe nehmen, bahnenweise vorgehen und immer wieder vorne ansetzen", erklärt Michaela Franke. Dank ihrer Hilfe gibt es jetzt keine Falten mehr beim Bügeln, kocht und backt Silja immer häufiger leckere Gerichte. Um letzteres hatte sich früher ausschließlich ihr Mann Guido, von Beruf Koch, gekümmert.
Kennen gelernt haben sich die zwei in der U-Bahn. "Es war schon spät. Wir warteten beide auf den nächsten Zug, kamen ins Gespräch", erzählt Guido. "Ich fragte sie, ob sie schon mal versucht habe, mit Schwedenkräutern ihre Augen zu behandeln." Er gab Silja seine Telefonnummer und mit der Zeit freundeten sie sich an, wurden ein Paar.
"Silja ist sehr einfühlsam, kann gut zuhören und erkennt schon am Tonfall einer Stimme, wie es jemandem geht", sagt Guido. Im Juni 1991 heirateten die beiden, ein paar Monate später wurde Sohn Fabian geboren. "Anfangs hatte ich Angst, dass ich ihn beim Füttern mit dem Löffel weh tun könnte, aber er hat mir instinktiv schon den Mund hingehalten", erinnert sich Silja. Füttern, Wickeln, Baden - letztlich alles kein Problem, es dauerte halt nur etwas länger. Wie auch sonst im Haushalt, wo alles seine Ordnung haben muss. "Damit Mama sich zurecht findet und nicht erst lange suchen muß", sagt Fabian.
Obwohl Silja ihren Alltag so bewundernswert meistert - ihre Blindheit zu akzeptieren, fällt ihr nicht immer leicht. "Ich habe mich damit arrangiert", sagt sie ehrlich und ohne jegliche Verbitterung.


U-Bahn, eine große Herausforderung!
Ich versuche das Beste aus meiner Situation zu machen und bemühe mich, mein Leben so gut wie möglich zu leben. Ich möchte mich nicht an Dingen festhalten, wie (hätte oder was wäre wenn)! Damit könnte ich meinen inneren Frieden nicht finden.
Siljias Homepage:
www.siljakorn.de