"Meine Story" > Franz


Hallo,

mein Name ist Franz, ich bin 41 Jahre alt, geboren in Freising, lebe seit 32 Monaten in Thailand, bin 100 % schwerbehindert, kann mich nur mit Hilfe eines Elektrorollstuhls bewegen, leide seit meiner Kindheit an Muskelschwäche, konnte noch nie gehen, brauche 24 Stunden Betreuung (Toilette, Duschen, Essen, drehen im Bett). Ich habe in München dasFachabitur absolviert und anschließend Sozialpädagogik studiert.

Ich habe ein Angebot fuer alle, die keine Lust mehr haben in Deutschland alleine vor dem Computer oder Ferneher zu sitzen und sich zu tode zu langweilen. Ich biete Abholung vom Flughafen, Hotelunterbringung in einem behindertengerechten Zimmer, direkt am Strand, oder nicht weit davon, auf Wunsch 24 Stundenbetreuung, und erledige auch alles andere fuer Sie, keine Wuensche bleiben offen. Und das alles zu einem Superpreis, auf Wunsch Pflege inclusive. Sie koennen ohne Begleitperson zu mir kommen, ich regle alles fuer Sie. Wenn es Sie interessiert wie ich nach Thailand gekommen bin lesen Sie bitte weiter.

Wegen meiner Schwerstbehinderung war es mir aber leider nicht möglich einen Arbeitsplatz zu finden. Als dann vor einigen Jahren die Versteuerung der so genannten 624 DM Jobs eingeführt wurde, wurde es für mich sehr schwierig, Pflegekräfte für mich zu finden und auch die Abrechnung für meine Helfer wurde sehr schwierig. Ohne Steuerberater für mich fast unmöglich. Den ganzen Papierkram habe ich aber auf mich genommen, da ich schon immer selbständig wohnen (Wohngemeinschaft mit 3 Nichtbehinderten) und auf keinen Fall in irgendein Behinderten- oder Alterswohnheim wollte.

Ich hatte in Deutschlandviele Freunde und Interessen und doch war ich während der kalten Monate, und das sind in Deutschland nicht wenige, oft ziemlich depressiv, da Sie auch in Deutschland leben, wissen Sie eventuell von was ich spreche. Meine größte Leidenschaft war schon immer das Reisen, wegen meiner Behinderung konnte ich mir diese Träume jedoch nur erfüllen, wenn mindestens zwei meiner Freunde Zeit hatten um mich zu begleiten und zu betreuen und ich genügend Geld hatte.

Mein großes Glück war, dass ich einen Freund hatte, ich hatte ihn während seiner Zeit als Zivildienstleistender kennen gelernt, der all seine Urlaube mit mir verbrachte. Wir besuchten gemeinsam viele Länder (Thailand, New Zealand, USA, Brasilien, Marokko, Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, England, Schottland, Holland, Polen, Tschechien, Schweiz, Österreich, Kroatien, Griechenland, Jugoslawien, Türkei). Wenn ich von einer Reise zurückkam war mein größtes Ziel immer, so bald wie möglich wieder eine Neue zu unternehmen. Da ich jedoch nur Sozialhilfe bekam, durften die Urlaube nicht zu teuer werden, wir schliefen meist im Zelt und kochten selbst, damit wir nicht zuviel Geld brauchten.

Als es am 7. September 2001 sehr kalt, regnerisch und ungemütlich war, lag ich abends im Bett und dachte an das schöne, immer warme Thailand, das ich vorher schon zweimal besuchthatte. Ich dachte daran, wie es wäre für immer in so einem Land zu leben. Auch der 8. September war es für die Jahreszeit viel zu kalt, ich verbrachte den ganzen Tag in meiner Wohnung, saß am Computer und wartete darauf, dass der Tag verging. Als ich auch noch einen Brief vom Sozialamt erhielt, dass mit der Abrechnung für meine Pflegekräfte wieder etwas nicht stimmt, war meine Stimmung gänzlich auf dem Nullpunkt Abends, als ich im Bett lag und wieder mal über denn Sinn des Lebens nachgrübelte, reifte plötzlich der Entschluss in mir, jetzt musst du dein Leben verändern und zwar grundlegend. Ich beschloss, ohne irgendwelche Freunde in ein fernes Land zu fliegen und dort ein neues Leben zu beginnen.

Der Morgen des 9. September begann wie jeder andere Tag auch, ein Pfleger vom Roten Kreuz holte mich gegen 10 Uhr aus dem Bett, badete mich, anschließend Frühstück und Gespräche über das tägliche Leben. Da das Wetter schon wieder schrecklich war (neblig, regnerisch, kalt), bat ich den Pfleger mir einen warmen Fliespulli überzuziehen. Mein Entschluss stand fest, ich werde den einen Kilometer zum Bahnhof fahren und von dort aus mit dem Stadtbus zum nahe gelegenen Flughafen fahren, um dort nach einem Flug in wärmere Gefilde zu schauen. Als ich mit meinem Elektrorollstuhl am Bahnhof ankam war ich ziemlich durchnässt und es fror mich stark. Das bestärkte meinen Entschluss noch mal gewaltig mich von Deutschland zu verabschieden.

Den Flughafen in München besuchte ich vorher schon sehr oft, immer wenn ich Fernweh hatte. Als ich dort ankam war mein erster Weg zu den Last Minute Schaltern im Untergeschoss um nach einem günstigen Flug nach Bangkok zu schauen, von dort aus würde ich dann schon irgendwie weiter nach Koh Samui kommen, wo ich einen Bekannten (Thai) hatte, der mir übergangsweise helfen sollte. Als ich am Schalter nach einem Flug fragte, war ich zuerst enttäuscht, da erst in etwa 4 Wochen ein Flug möglich war, der für mich auch erschwinglich gewesen wäre. Der Herr am Schalter sagte mir jedoch, dass er mich auf die Warteliste setzen könnte und falls jemand von seinem Flug zurücktritt, könnte ich kurzfristig mitfliegen. Was
blieb mir anderes übrig als zuzustimmen? Ohne große Hoffnung fuhr ich wieder nach Hause.

Ich war gerade erst zu Hause angekommen, da läutete das Telefon! Am anderen Ende war der Herr vom Reisebüro und sagte mir, dass ich am nächsten Tag, also am 10. September, um 15 Uhr mit Thai-Airways für 1200 DM nach Bangkok fliegen könne und einen Monat später wieder zurück. Ich sagte zu! Als mein Mitbewohner von der Arbeit nach Hause kam, meine anderen beiden Mitbewohner waren gerade im Urlaub, fragte ich ihn ob er morgen Zeit hätte, mich gegen 13 Uhr zum Flughafen zu bringen. Er rief seinen Chef an und der hatte nichts dagegen, dass mein Freund einen Tag frei nahm. Ich sagte meinem Freund ich will unbedingt in den Urlaub fliegen, wagte ihm aber nicht zu sagen, dass ich vorhatte, nicht zurückzukommen. Wir hatten immerhin 10 Jahre in einer Wohngemeinschaft zusammengelebt und mit ihm hatte ich mich immer sehr gut verstanden. Er hätte mich sonst mit 100 %iger Wahrscheinlichkeit für verrückt erklärt und gar nicht erst zum Flughafen gebracht, da war ich mir sicher, obwohl es mein bester Freund war. Wir gingen noch miteinander essen, packten meine Reisetasche und gegen Mitternacht ging ich schlafen.

Als ich im Bett lag, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Was ich alles aufgeben würde hier in Deutschland. All die Sicherheiten, die man in Deutschland so hat. Was würden meine Freunde und besonders meine Eltern zu meinem verrückten Entschluss sagen und was hatte ich vergessen einzupacken? Ich konnte lange nicht einschlafen, aber irgendwann gelang es mir doch. Am nächsten Morgen kam wie immer mein Pfleger vom Roten Kreuz und ich erzählte ihm, dass ich Heute kurzfristig nach Thailand fliegen würde und erst in 4 Wochen zurückkommen würde. Er war nicht sonderlich überrascht, denn er kannte mich als spontanen Menschen.

Als ich mit dem Baden fertig war und gerade beim Frühstück saß, erhielt ich wieder einen Anruf vom Reisebüro. Es war ein Schock für mich, der Herr teilte mir mit, dass die Fluggesellschaft mich wegen meiner schweren Behinderung nicht alleine fliegen lassen würde und ich entweder einen Freund mitnehmen, oder aber die Kosten für einen von der Airline gestellten Flugbegleiter zu tragen hätte, andernfalls könnte ich nicht fliegen. Ich bat ihn, mir die Nummer von Thai-Airways zu geben. Ich rief sofort bei Thai-Airways an, dort war eine sehr freundliche Dame am Telefon und die teilte mir mit, dass mein Name bereits auf der Flugliste stünde, was ich für ein Problem hätte und dass ich mich beeilen sollte zum Flughafen zu kommen, da ich nur noch 3 Stunden Zeit bis zum Abflug hatte. Mit einem etwas mulmigem Gefühl fuhr ich mit meinem Freund zum Flughafen. Beim Check-in gab es keinerlei Probleme, mein Freund machte meinen Elektrorollstuhl flugfertig (Batterien ausbauen, alle abstehenden Teile abschrauben und ordentlich verschnüren. Ich hatte viel Gepäck, eine große Tasche, einen Elektrorollstuhl und einen Rollstuhl ohne Motor (zum Duschen und falls der Elektrische kaputt sein sollte). Um 14:30 Uhr verabschiedete ich mich von meinem Freund und der Malteser Hilfsdienst brachte mich ins Flugzeug setzte mich bequem hin und schnallte mich an.

Das Abenteuer Auswanderung konnte beginnen. Planmäßig um 15 Uhr hob die Maschine ab und beim Start blickte ich ein letztes Mal auf Freising, meine bisherige Heimat. Ich war erleichtert, dass ich es geschafft hatte wegzukommen, muss aber auch zugeben, dass ich ein wenig Angst hatte, was auf mich zukommen würde. Aber ich dachte mir, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, oder no risk, no fun! Der Flug dauerte ca. 11 Stunden, obwohl ich ziemlichen Durst hatte trank ich nur sehr wenig, da ich im Flugzeug keine Möglichkeit habe auf die Toilette zu gehen. Gegen 6 Uhr morgens kamen wir in Bangkok an und 2 Helfer des Flughafenpersonals holten mich aus dem Flugzeug, bis jetzt lief alles super. Sie brachten mich in die Gepäckabfertigung und als mein ganzes Gepäck da war, war ich sehr glücklich, da ich sah, dass mein Elektrorollstuhl unversehrt angekommen und nicht beschädigt war. Das ist nicht selbstverständlich, denn bei früheren Flugreisen hatte ich schon 3-mal das Problem, dass der Rollstuhl nach dem Transport schwer beschädigt und erst nach aufwendiger und kostenintensiver Reparatur wieder fahrbereit war.

Eine Dame von Thai-Airways fragte mich, wer mich denn vom Flughafen abhole? Ich sagte, dass ich weiter nach Koh Samui fliegen wolle, dass ich aber noch keinen Flug hätte. 3 Helfer von Thai-Airways brachten mich und mein ganzes Gepäck dann vom internationalen zum nationalen Airport und an einen Schalter zum Geld wechseln, ich wechselte 400 DM in thailändische Währung um. Am Schalter von Bangkok-Airways (fliegt mehrmals täglich nach Koh Samui) sagten sie mir dann, dass heute alle Flüge gebucht sind, dass ich aber eine relativ gute Chance hätte, heute noch einen Flug zu bekommen, wenn ich mich auf die Warteliste setzen ließe, es stünden aber schon 16 Personen vor mir auf dieser Liste. Ich kannte in Bangkok niemanden und war etwas beunruhigt was ich denn machen sollte, falls ich an diesem Tag wirklich keinen Flug mehr bekommen sollte. Das Unwohlsein dauerte aber nicht lange an, denn nach etwa 5 Minuten kam eine nette junge Dame von Bangkok-Airways auf mich zu, schob mich im Rollstuhl etwas beiseite und flüsterte mir leise ins Ohr, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche, sie hätte mich ganz oben auf die Warteliste gesetzt. Ich bedankte mich bei ihr und wollte ihr 100 Bath (ca. 5 DM) geben, die nahm sie aber nicht an und wünschte mir viel Glück für meine weitere Reise. Nach weiteren 5 Minuten kam sie wieder und gab mir ein Ticket für den nächsten Flieger nach Koh Samui, ich bezahlte und war erleichtert.

Als ich dann 2 Wochen spaeter meine Eltern anrief und ihnen mitteilte, dass ich in Thailand bleiben wuerde waren sie zuerst geschockt, meine Mutter hat mich jedoch letzten Februar besucht und ist seitdem selbst davon ueberzeugt, dass es mir hier bei weitem besser geht als in Deutschland. Seitdem lebe ich nun in Thailand und ich habe es noch keine Minute bereut, diesen Entschluss gefasst zu haben. Ich teilte meinen Eltern damals auch mit, dass sie meine Wohnung, in der ich bis dahin gelebt hatte vermieten sollen, da ich im Ausland keinerlei finanzielle Unterstuetzung bekomme. Die Wohnung gehoert meiner Schwester, ich habe aber das lebenslaengliche Wohnrecht darin. Ich bekomme jetzt 750 Euro Miete, davon bezahle ich 24 Stunden Pflege taeglich, meine Mietwohnung in Thailand, sowie alle sonstigen Kosten fuer Essen, Wasser, Strom, usw. Inzwischen habe ich eine feste Freundin die mich sehr gut pflegt und bin so gluecklich wie nie zuvor. Auch gesundheitlich geht es mir, da es hier immer warm ist, sehr gut.


Franz
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