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"Sich lustvoll freiwillig schinden" Behinderung im GleichgewichtIn den letzten Jahrzehnten ist bei der Entwicklung unserer Kinder viel falsch gemacht worden. Nicht zuletzt die erschreckenden Ergebnisse der PISA-Studie und der OECD-Umfrage führen uns das vor Augen. Seit dem Kriegsende herrscht die Mentalität vor, dass es die künftigen Generationen leichter und einfacher haben sollen. Ein ehrenwerter Gedanke, aber leider heißt das Verwöhnen und Verwöhnen bedeutet bei Pflanze, Tier und Mensch Degeneration und langfristig Ausrottung der Lebensform. Das ist natürlich ein schleichender und über viele Generationen verlaufender Prozess, allerdings können ältere Menschen nachvollziehen, dass unsere Kinder immer schwächer, dicker und für Allergien anfälliger werden. Die Fehler fangen schon im Mutterleib an (die Schwangeren bewegen sich zu wenig und empfinden oftmals die Schwangerschaft als Krankheit) und werden in der Hauptentwicklungszeit zwischen 0 und 3 Jahren fortgeführt (zu weiches Liegen, falsche Ernährung, zu wenig Bewegung, falsches und zu viel Spielzeug, etc.). Unsere Kinder dürfen sich nicht mehr anstrengen und sich mit der vielfältigen Natur auseinandersetzen (auf Bäume klettern ist verboten, weil Bäume keinen TÜV haben). Dies ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem Problemkatalog. Er soll aber verdeutlichen, dass unsere „normalen“ Kinder im Verhältnis zu früher starke „Störungen“ haben also Behinderungen (psychomotorisch). Und wenn diese „normalen „ Kinder schon Schwierigkeiten haben, sich auf dem Planeten Erde wohl zu fühlen (weil das körperlich, geistige und seelische Gleichgewicht nicht entwickelt ist), wie viel schwerer haben es dann „behinderte“ Kinder? Tragisch ist, dass manche Eltern besonders auf das Wohlergehen ihrer behinderten Kinder bedacht sind (was ja vom Grundgedanken her gut ist) und ihnen das Leben so einfach wie möglich machen wollen. Dabei wäre es für alle Beteiligten viel sinnvoller, wenn sich auch das behinderte Kind anstrengen dürfte, um aus eigenem Antrieb heraus Erfolge zu erzielen, die es dann wieder motivieren, noch mehr selbständig machen zu können. Das ist ein Naturprinzip: Nur wer sich anstrengt, etwas zu erreichen, wird mit Erfolg belohnt (und sei er noch so klein). Und dieser Erfolg macht dann süchtig nach noch mehr selbständigem Können. Zum Beispiel muss sich ein Fohlen „tierisch“ anstrengen, schinden, um auf die wackligen Beine zu kommen. Da hilft ihm kein Elternteil. Es plagt sich, bis es endlich sicher steht und beginnt dann staksig zu galoppieren, bis es letztendlich wilde Bocksprünge vollführen kann. Dies macht es instinktiv, weil es ein Fluchttier ist und bei Gefahr davon rennen muss. Wir Menschen sind biologisch gesehen auch Fluchttiere und unsere Instinkte und Potentiale geben uns vor, dass wir uns selber gewisse Fähigkeiten aneignen müssen (durch Übung, Wiederholung, Nachahmung). Dies wiederum setzt Eigenanstrengung und motivation voraus. Und alles beruht auf einem guten Gleichgewicht, weil die größte tägliche Herausforderung für unsere Körper die Erdanziehung ist. Solange wir leben, müssen wir immer gegen die Schwerkraft ankommen und das fällt uns leicht, wenn unser Vestibularsystem gut entwickelt ist. Diese Grundvoraussetzung gilt für alle Menschen! Ein Behindertensportler (egal, ob Breiten-oder Spitzensportler) nimmt Mühen auf sich, um über den Sport seine Lebensfreude und qualität zu verbessern. Das strahlt dann auch positiv auf sein Umfeld aus und gibt ihm zusätzlich Selbstsicherheit und bewusstsein. Darüber wird er motiviert, sich weiterhin und eventuell auch verstärkt anzustrengen, was dann zusätzliche Kräfte oder Fähigkeiten freimacht. Eine (fast) endlose Kette der Weiterentwicklung, die lediglich durch die Grundbehinderung eingeschränkt wird. Ein gutes Vorbild dafür ist Frau Ester Weber-Kranz. Sie ist querschnittgelähmt, mehrfache Deutsche Meisterin, Europameisterin und Olympiateilnehmerin im Rollstuhl-Fechten und zweifache Mutter. Für sie gibt es eigentlich nichts, was sie nicht kann oder zumindest versucht! Sie hat ihre Grundbehinderung soweit zurückgeschraubt, dass sie (fast) selbständig leben kann. Seit neuestem ist sie auch Lizenzgeberin für das neu entwickelte „Pedalo am Rollstuhl“, dass die Restmuskulatur bei Rolli-Fahrern stabilisieren und verbessern soll. Die Holz-Hoerz GmbH hat ihr die Lizenzvergabe übertragen. Frau Weber-Kranz motiviert sich selber aus ihren Erfolgen heraus. Für den unsportlichen Behinderten gibt es auch Herausforderungen, die er durch selbständiges Üben zu überwinden lernt. Bordsteinkanten, schräge Ebenen, holprige Straßen und Wege sind alltäglich im Straßenverkehr vorkommende Hindernisse. Diese Hürden kann man zum Beispiel durch regelmäßiges Üben auf Rollstuhlfahrer-Parcours verringern. Bei kontinuierlichem Training wird aus einem Hindernis dann eine körperliche (spielerische) Herausforderung. Natürlich nicht für jeden Behinderten gleich, aber für eine Vielzahl. Jeder Mensch muss in Bewegung bleiben, um nicht zu darben. Und je vielfältiger die Bewegung, umso vielfältiger wird die Lebensqualität. Das oberste Motto muss lauten: Leben ist Bewegung und Bewegung ist wichtig für alle Funktionen im menschlichen Körper. |
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Leben ist Bewegung und Bewegung ist wichtig für alle Funktionen im menschlichen Körper. |